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Jüdische Schicksale

1933 lebten 364 jüdische Personen in Saarlouis und den Orten der Umgebung. Nach der Rückgliederung des Saargebietes in das Deutsche Reich 1935 verzogen zahlreiche jüdische Familien von hier, viele nach Lothringen oder nach Luxemburg. Ende 1935 waren nur noch 95 jüdische Einwohner geblieben. 1938 gab es noch fünf jüdische Geschäfte, die in der Pogromnacht 1938 von SA-Leuten und zahlreichen Einwohnern der Stadt heimgesucht, geplündert und verwüstet wurden. Mehrere jüdische Einwohner wurden dabei verletzt. Im Mai 1939 waren noch 41 jüdische Personen in der Stadt. 1940 wurden die letzten Verbliebenen nach Gurs deportiert. Von den in Saarlouis geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen.

Berichte aus Saarlouis-Roden
„Von 1920 bis 1935 bestand an der Ecke Linden- und Kirchenstraße das Textilkaufhaus „Eugen Stern“. Das Kaufhaus hatte sehr preisgünstige Waren angeboten. Vor diesem Haus hatten 1935/36 die Nazis einen Zeitungsstand errichtet, wo die Zeitschrift „Der Stürmer“ ausgestellt war. Diese Zeitschrift hetzte vorwiegend gegen Juden.
- seit 1935 Schikanen und Ausgrenzungen aus der Gesellschaft
- Verhaftung in der Reichskristallnacht
- Wohngegenstände wurden zerstört
- weiteres nicht bekannt

Schräg gegenüber diesem Anwesen in der Lindenstraße wohnte ein über 80 Jahre alter jüdischer Mitbewohner, der in Roden sehr beliebt war. In der Reichspogromnacht hatten SA-Männer diesen alten Herrn in Schutzhaft genommen und dabei seine Wohnungseinrichtung zerstörten. Es war ein schrecklicher Anblick. In der Lindestraße befand sich vor dem ersten Weltkrieg auch eine jüdische Metzgerei, die an die Bevölkerung koscheres (ausgeblutetes) Fleisch aus eigener Schlachtung verkaufte.

In der Lindenstraße befand sich auch das Uhrengeschäft des Herrn Andermann. In diesem Geschäft wurden vorwiegend Standuhren und Wanduhren verkauft. Das Geschäft wurde 1936 wegen Wegzug ins Ausland aufgegeben. Ein größeres Textilgeschäft mit moderner Einrichtung war das Kaufhaus des Kaufmanns Marx. Es befand sich in Saarlouis Roden an der Ecke Saarwellinger Straße-Lindenstraße. Neben Stoffen wurden vor allem Anzüge und Kleider verkauft. Das Kaufhaus war bei der Bevölkerung sehr beliebt. Der Inhaber hatte in der Bevölkerung den Spitznamen „Schlaumen“. Ein Nachfahre des alten Herrn Marx mit Namen Herbert Marx wohnte nach 1945 ebenfalls in Roden in der Hochstraße. Er war in dem Rodener Sportverein tätig. Er war unverheiratet. Für seine Vereinstätigkeit wurde er geehrt.

Anfang 1930 wohnte in der Saarwellinger Straße ein Viehhändler namens Kahn, der aber nur einige Jahre dort wohnte. Die Reichspogromnacht kam für die Rodener Bevölkerung unverhofft. Man erzählte sich auch, das ein jüdischer Klavierhändler in Dillingen in dieser Nacht, obwohl er als ehemaliger deutscher Soldat im ersten Weltkrieg mit dem „Eisernen Kreuz erster Klasse“ ausgezeichnet wurde, sehr misshandelt wurde und sein Bestand an Klavieren und Flügeln in seinem Geschäft total zerstört wurde.“

Eingeschickt von: MPG Saarlouis

 

 
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